Erinnern und Entschädigen - Magnus Hirschfeld und die offene Wiedergutmachungsfrage
Podiumsdiskussion im Haus der Kulturen der Welt, Berlin

Presse-Information

"Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit"
Kurze Geschichte des Instituts für Sexualwissenschaft

Konkrete Planungen zur Gründung eines Instituts für Sexualwissenschaft verfolgte Magnus Hirschfeld seit dem Frühjahr 1918. Die letzten Genehmigungen wurden Anfang 1919 erteilt, so daß das Institut am 1.6.1919 seinen Lehr- und Forschungsbetrieb aufnahm.
Das Institutsgebäude In den Zelten 10/Beethovenstr. 3 hatte Hirschfeld aus eigenem Vermögen erworben. Es ging ebenso wie das 1922 hinzugekaufte Nachbarhaus In den Zelten 9a am 2.2.1924 in das Eigentum der Dr. Magnus-Hirschfeld-Stiftung über.

Im Institut arbeiteten neben Magnus Hirschfeld immer mehrere Ärzte - entweder angestellt, wie der Nervenarzt Dr. Arthur Kronfeld (1919-1926), oder auf eigene Rechnung, wie etwa Hautarzt Dr. Bernhard Schapiro (1926-33), der Sexualberater Dr. Felix Abraham (1929-1933), der Frauenarzt Dr. Ludwig Levy-Lenz (1924-1933) und viele andere.
Daneben gab es nicht-ärztlich geleitete Abteilungen - etwa für Soziologie oder Ethnologie - und 'Hilfsstellen' für Graphologie, für Stammbaum- und Familienforschung, schließlich auch einen Pensionsbetrieb für stationäre Patienten bzw. reisende Kollegen, Journalisten etc.

Von Beginn an gab es im Institut für Sexualwissenschaft ein umfangreiches Lehrprogramm. Dieses war anfangs ganz akademisch ausgerichtet. Später standen Fortbildungsseminare für bestimmte Berufsgruppen (Ärzte, Juristen, Lehrer), und Informationsveranstaltungen für Politiker oder Polizisten sowie Aufklärungsveranstaltungen für die allgemeine Öffentlichkeit im Vordergrund. Bekannt und populär waren die seit 1926 vierzehntäglich angebotenen offenen Frageabende, an denen alle vorher anonym schriftlich eingereichten Fragen zur Sexualität beantwortet wurden.

Das Institut hatte eine große sexualwissenschaftliche Bibliothek und eine einzigartige Sammlung. Beide waren der Öffentlichkeit zugänglich. Der Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung dienten auch die im Institut oder von Institutsmitarbeitern herausgegebenen Zeitschriften ("Geschlecht und Gesellschaft" von Ferdinand Freiherrn v. Reitzenstein; "Die Aufklärung" von Magnus Hirschfeld und Maria Krische; "Die Ehe" von Ludwig Levy-Lenz), die Beteiligung an Filmproduktionen ("Anders als die Andern"; "Gesetze der Liebe" u.a.)

Das Institut beherbergte von 1919 bis 1929 das Büro des von Hirschfeld und anderen 1897 gegründeten Wissenschaftlich-humanitären Komitees, der weltweit ersten Organisation, die für die Rechte homosexueller Männer und Frauen eintrat. 1928 bis 1933 residierte hier auch das Büro der Weltliga für Sexualreform, die zwischen 1928 und 1932 vier große europäische Kongresse abhielt. (Kopenhagen, London, Wien, Brünn).
Am 6. Mai 1933 wurde das Institut von Nazi-Studenten der Berliner Hochschule für Leibesübungen geplündert und zerstört.

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